Wort zum Monat März 2021

Pastor Thomas Struckmeier

Liebe Obernbeckerinnen, liebe Obernbecker!

Pandemien sind nichts Neues. Auch Luther kannte sich damit aus. Aufgrund der Lebens- und Verkehrsverhältnisse bleiben die Seuchenausbrüche meistens be-schränkt. Aber gerade in Städten traten immer wieder Epidemien auf. Bei den beengten und unhygienischen Verhältnissen war das sehr gefährlich. So wurde Luther nach dem Ausbruch einer ‚Pest‘ in Breslau gefragt, wie sich ein Christ in dieser Situation verhalten solle. Das war 1525. Im Jahr 1527 kommt endlich die lang erwartete schriftliche Äußerung Luthers zum Thema. Da war die Pest Luther bedrohlich nahe gekommen: In seiner Stadt Wittenberg brach im August eine Pest aus. Viele Menschen flohen vor der Ansteckungsgefahr. Professoren und Studenten gingen nach Jena. 

Luther schrieb: Völlig in Ordnung so! Bei Seuchen ist es Christenpflicht, sich zu schützen und vorsichtig zu sein. Den Rat der Ärzte zu missachten ist kein Zeichen von Gottvertrauen, sondern heißt, Gott zu versuchen. Einerseits. 

Andererseits gilt: Wer Verantwortung für andere Menschen trägt, zum Beispiel als Arzt, Polizist, Seelsorger, aber auch in der Familie, wenn Menschen auf einen angewiesen sind, die nicht mobil sind, muss bleiben. Der soll mit Gottvertrauen seine gefährliche Pflicht tun. Es geht nicht an, andere Menschen zu vernachlässigen, die sich selbst nicht helfen können, um sich selbst zu schützen. 

Wie hat nun Luther selbst sich verhalten? Er blieb in Wittenberg – als einziger der Professoren. Er fühlte sich verantwortlich für die Studenten, die bleiben mussten, weil sie vielleicht zu arm waren. Und er fühlte sich verantwortlich für die Menschen, die in der Stadt blieben und seelsorgerlichen Beistand gut gebrauchen konnten. Für die kleine Schar der Studenten bot Luther eine Vorlesung über den ersten Johannesbrief an. „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm.“ Der Vers ist bekannt. Der ganze Brief ist eine einzige große Aufforderung, Gott zu vertrauen. Luther lebte in stürmischen Zeiten, und für ihn war das Christenleben eine stürmische und kämpferische Angelegenheit. 

Liebe, Gnade, Vertrauen versteht sich nicht von selbst. Als Christen kommen wir nur durch, weil wir einen Gott haben. Aber wir kommen durch! 

In seiner Vorlesung habe ich einen großartigen Satz gefunden: „Ich bin vor Satan so viel, wie wenn ein Glas voll Bier vor ihm stünde, und er hätte großen Durst, und Gott setzt‘s ihm vor die Nase, dennoch soll er‘s nicht anrühren, weil Gott seine Gnade hineingegossen hat.“ 

Luther weiß aus Erfahrung, welchen unvergleichlichen Wert ein schönes kühles volles Glas Bier hat. Der Mensch ist ein Glas Bier – und lebt immer in der Gefahr, dass der Böse ihn wegschlürft. Und Gott – der Gott, der mir einen Tisch bereitet im Angesicht meiner Feinde – serviert, dass dem Bösen schon das Wasser im Mund zusammenläuft, und gießt dann noch genau das hinein, was dem Satan ungenießbar ist: Gnade. 

Gott macht uns dem Bösen ungenießbar. Ein prickelndes Bild. Ich glaube, seine Studenten haben Luther gut verstanden, damals im Sommer 1527. Und wir hoffentlich auch, im Frühling 2021 in Obernbeck.

Einen gnädigen, prickelnden und hoffentlich nicht ganz so gesundheits-besorgten Frühling wünscht

Ihr Pfarrer

Thomas Struckmeier

P.S.: Luther hat übrigens alle Pestepidemien überlebt.

Jahreslosung 2021

Jesus Christus spricht:
"Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!"


Lukas 6,36

Monatsspruch März 2021

Jesus antwortete:
Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Lukas 19,40

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'Lichtblick'-Gottesdienst vom 1. Advent 2020

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