Wort zum Monat Februar 2020

Pastor Rolf Bürgers

Monatsspruch für Februar 2020

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.
(1.Korinther 7,23) 

Liebe Obernbeckerinnen, liebe Obernbecker,

mit diesem Satz erinnert Paulus an den Tod Jesu. Damit bezahlte er, so glauben wir Christen, für unsere Freiheit. Wir kennen Jesu Geschichte: Als Kind armer Leute durchlebt er das Menschsein mit allen Licht- und Schattenseiten. In seiner Antrittsrede in seiner Heimatstadt Nazareth redet er Klartext: „Gott hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Lukas 4,18-19) Eine messianische Kampfansage gegen alle Hierarchien und gegen die Strukturen der Macht. 

Jesu Botschaft ist unmissverständlich: Gott liebt jeden Menschen – gleich-ermaßen und bedingungslos. Als Kinder Gottes sind wir zur Freiheit berufen und damit zum aufrechten Gang. Da ist kein Platz für Unterord-nung und Ausbeutung. Den „Herren“ im römischen Reich war sehr wohl bewusst, wie subversiv diese Botschaft wirkt. Den „Sklaven“, um die es geht, wohl auch.

Jesus lebte seine Verkündigung konsequent an der Seite der Armen und Verfolgten, der Versager, der Kranken und Gebeutelten. Am Ende machten die Mächtigen mit ihm kurzen Prozess. Unsere Freiheit ist in der Tat teuer erkauft. Nichts wäre schlimmer, als sie zu verspielen.

Für die Gemeinde Jesu in der griechi-schen Hafenstadt Korinth war es nicht so einfach, als bunte Mischung aus Sklaven und freien Bürgern, Hafenarbeitern, Prostituierten und Gutsituierten eine neue Identität zu entwickeln – jenseits von Klassen und Funktionen.

Diese spalten auch heute noch die Arbeitswelt. Wer außer seiner Ar-beitskraft nichts zu bieten hat, muss nehmen, was kommt. Da sind die Arbeitsbedingungen hart. Wir alle haben aus dem Weihnachtsgeschäft noch die Paketboten vor Augen, die als neue Arbeitssklaven bezeichnet werden. Manche von ihnen schuften sich als Selbständige treppauf-treppab fast zu Tode. 

Und auf den Autobahnen ist ein neues Proletariat unterwegs, die LKW-Fahrer aus aller Herren Länder. Viele von ihnen haben gar keinen festen Wohnsitz mehr. Sie hausen in Schlaf-Kojen im LKW und verbringen die Wochenenden auf den Rastplätzen fern ihrer Familie. Die Angst ist eine stete Begleiterin. Angst vor Übermüdung und Sekundenschlaf. Angst vor einem Überfall oder Unfall. Angst, in der vorgegebenen Zeit das Ziel nicht zu erreichen und am Abend auf den überfüllten Parkplätzen keinen Stellplatz zu finden. „Knecht-schaft“ hinterm Steuer.

Andere haben notgedrungen mehrere Arbeitsverhältnisse und kaum noch Zeit für Partnerschaft oder Familie. Und wieder andere, gerne aus dem Projektmanagement, Marketing und Vertrieb, sind so belastet, dass ihnen der „Burnout“ droht. 

Nicht zu vergessen die klein- und mittelständischen Unternehmer, die dem Kostendruck nicht mehr stand-halten können und in Konkurs gehen. Sie geraten in Knechtschaft bei denen, die ihnen die Bedingungen diktieren: die Herren in den Banken und Konzernzentralen.

Was aber tun, damit arbeitende Menschen nicht zu Knechten werden? Als Christen bekennen wir uns zu dem Gott, der Arbeitssklaverei nicht duldet, der dazwischenfährt und herausführt (Ägypten!). Christ¬liche Sozialethik erinnert daran, dass Leben mehr ist als Arbeit und jeder Mensch auch als Arbeitnehmer Rechte und Würde hat. Also darf Arbeit nicht das Leben kosten, weder physisch noch psychisch. Und grundsätzlich hat Arbeit Vorrang gegenüber dem Kapital und nicht umgekehrt. 

Aber aktuell erleben wir, wie Konzerne weltweit nach Belieben die Standorte wechseln, um Steuern und Abgaben zu vermeiden. Wirtschaft unter der Diktatur der Kapitalmärkte macht sich ganze Völker zu Knechten. Ein Wirtschaftssystem, das immer noch glaubt, in der menschlichen Gier und den Egoismen die Triebfeder zu sehen, zerstört menschliche Würde, unsere Gesellschaften und unsere Lebensgrundlagen auf dieser Erde. Es muss durch eine soziale und nachhaltige Wirtschaftsform überwunden werden. In Ver-antwortung vor Gott und vor unseren Kindern gehören der Einsatz für das Gemeinwohl und die Kritik des aktuel-len Kapitalismus ganz oben auf die kirchliche Tagesordnung.

 

Gebet:

Guter Gott, unsere Freiheit ist teuer erkauft

durch den Tod deines Sohnes.

Jesus zeigt dich uns als gerechten Gott, der uns liebt.

Mache uns stark für einen aufrechten Gang,

damit wir uns nicht verbiegen und zerbrechen lassen.

Hilf uns, Unrecht zu erkennen und beim Namen zu nennen.

Mit allen Menschen guten Willens lass uns eintreten 

für Recht und Gerechtigkeit, damit alle Menschen

in Freiheit und Würde leben können. Amen.

 

Es grüßt Sie herzlich 

Ihr Pastor

Rolf Bürgers

Jahreslosung 2020

Ich glaube; hilf meinem Unglauben.

Markus 9,24

Monatsspruch Februar 2020

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.

1.Korinther 7,23

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Zum Nachhören

Gottesdienst vom 02.02.2020
(Konfirmationsjubiläum)

Wir laden Sie ein

Sonntag, 1.03.2020 10.00 Uhr
Gottesdienst mit Abendmahl

Löhne: Christuskirche Obernbeck Pfarrer Rolf Bürgers

Sonntag, 8.03.2020 10.00 Uhr
Taufgottesdienst

Löhne: Christuskirche Obernbeck Pfarrer Uwe Petz

Freitag, 13.03.2020 19.30 Uhr
3.Passionsandacht

Löhne: Christuskirche Obernbeck Pfarrer Thomas Struckmeier