Wort zum Monat Mai 2021

Pastor Rolf Bürgers

Liebe Obernbeckerinnen, liebe Obernbecker,
iebe Leserinnen und Leser unseres Gemeindebriefes,

das Bild auf der Titelseite des Mai-Gemeindebriefes, gemalt vom norwegischen Malers Edvard Munch, gehört zu den bekanntesten und teuersten Bildern des Expressionismus. „Der Schrei“ wurde vielfältig von Schüler*innen interpretiert. Heute interpretiert dieses Gemälde das biblische Wort für den Monat Mai.

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind", so steht es in der Bibel, im Buch der Sprüche im Alten Testament. Es ist der mütterliche Rat an ein Kind, in diesem Fall an Lemuel, den König von Massa. Um diesem Rat folgen zu können, benötige ich die Fähigkeit hinzu-schauen und mich anrühren zu lassen von denen, die arm, wehrlos und rechtlos sind.

Die biblische Königsmutter traut ihrem Sohn diese Fähigkeit zu. In heutiger Spra-che nennen wir die damit verbundene Haltung „Advocacy“, also Anwaltschaft. Christen sind in diesem Sinne Anwälte für Benachteiligte und Entrechtete.

In der Nachfolge Jesu kann es gar nicht anders sein. So gibt es in unserem Missi-onswerk der Vereinten Evangelischen Mission eine eigene Abteilung für Advo-cacy-Arbeit auf fünf Kontinenten. Die großen Kirchen sind weltweit anwaltschaft-lich unterwegs.

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind". Amnesty International (AI) war wohl die erste Orga-nisation, die dies systematisch und mit großer Ausdauer seit genau 50 Jahren macht. AI tut den Mund auf und spricht für die, die verlassen sind. In Gefängnissen, Flüchtlingslagern und Slums. Ehrenamtli-che und Hauptamtliche sprechen und schreiben Briefe an Minister und Regierun-gen. „Lasst die Gefangenen frei, die ihr ins Gefängnis gebracht habt, nur weil sie eine andere Meinung haben. Achtet die Menschen-würde - auch bei denen, die sich schuldig gemacht haben."

Jeden einzelnen suchen sie. Nicht nur prominente Gefangene wie Ai Weiwei. Auch Unbekannte, die ins Gefängnis kommen, weil sie z.B. ein kritisches Gedicht gegen den König vorgetragen haben. Amnesty international schreibt Briefe für sie. Und fordert uns normale Bürger auf, ebenfalls Briefe zu schreiben. Per Post, per Fax oder per E-Mail.

Was können Briefe oder E-Mails schon ausrichten? Das fragen viele. Sie können, das haben sie bewiesen. Wenn ein Staats-oberhaupt innerhalb kurzer Zeit mit zigtau-send Briefen und E-Mails wegen eines einzelnen Menschen bombardiert wird - das macht schon Eindruck. Denn jeder Brief sagt ihm: Die Welt beobachtet euch. Und den Betroffenen sagen sie: Ihr seid nicht allein.

Eine wichtige Arbeit, die auch wir als Kirchengemeinde immer wieder unterstüt-zen. Auch die Erfahrungen aus der Zeit der Apartheidspolitik in Südafrika haben gezeigt, wie wichtig und zielführend das gesellschaftspolitische Engagement auch von Christen am Ende sein kann.

„Der Schrei“ von Edvard Munch steht in einer gewissen Spannung zu unserem biblischen Wort für den Monat. Es ist nicht eindeutig, ob da jemand den Mund im anwaltschaftlichen Sinne auftut, weil er etwas Schlimmes wahrgenommen hat. Vielleicht kommt der Schrei aus eigener Betroffenheit?

Die beiden Männer im Hintergrund lassen mich sogleich an die Fälle von sexualisierter Gewalt im Raum der Kirche denken. Oder an die unfassbar häufige Gewalt gegen Frauen – als weltweites Phänomen. An die #MeToo Bewegung. Zu oft wird ihr Schrei nicht gehört, verstummen die Opfer oder sie werden zum Schweigen gebracht.

Unsere Aufgabe ist es, die Augen offen zu halten und dem biblischen Rat zu anwalt-schaftlichem Handeln zu folgen: Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Das erfordert Rückgrat und Mut.
Beides wird Gott uns schenken.

Mit herzlichen Grüßen
Rolf Bürgers

PS:    Wenn Sie sich informieren möchten: www.amnesty.de und www.vemission.org

Jahreslosung 2021

Jesus Christus spricht:
"Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!"


Lukas 6,36

Monatsspruch Mai 2021

Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.

Sprüche 31,8

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'Lichtblick'-Gottesdienst vom 1. Advent 2020

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