Wort zum Monat Dezember 2019

Pastor Thomas Struckmeier

Liebe Obernbeckerinnen und Obernbecker!

Ich bin schon fast ein Jahrzehnt Fernsehasket. Das war keine bewusste Entscheidung. Ich wollte kein Zeichen setzen. Ich hatte auch keine Angst, mich zu Tode zu amüsieren. Es hat sich einfach so ergeben. Schon immer fand ich es besser, wenn ich selbst auswählen konnte, welche Informationen ich mir zu Gemüte führe und wo ich an anderen Meinungen oder Hintergrundinformationen interessiert bin. Die Tageszeitung, ein Magazin oder das Internet gibt mir die Möglichkeit, nach einem kurzen Blick auf die Überschrift zu entscheiden, ob mich das Thema interessiert oder nicht. Bei den Fernsehnachrichten liefere ich mich den Auswahlkriterien eines Redakteurs aus. Beim Unterhaltungsprogramm ging es mir seltsamerweise – trotz zahlreicher Programme – ganz ähnlich: Wie oft hatte ich mich dabei ertappt, irgendwelchen Schrott anzustarren, weil eben gerade nichts Besseres lief.

Ich vermute, ich liege im Trend. Das Inter¬net läuft dem Fernseher den Rang ab. Einige Jahrzehnte konnte der elektronische Hausaltar die Freizeit der Menschen regie¬ren. Die Tagesthemen waren eine Art säkulares Nachtgebet. Die Fernsehnach¬richten strukturierten den Abend. Wer wagte es denn, um 20 Uhr irgendwo anzurufen? Sogar eine Wochenschluss¬andacht gab es: Die Abfolge von Sportschau, Wetten dass ..., heute-journal und Sportstudio sorgte für Jahrzehnte für einen liturgischen korrekten Ausklang der Woche. 

Wir erleben jetzt, wie das Fernsehen rapide die Macht verliert, unseren Alltag zu strukturieren. Es wird abgelöst von Medien, die jedem selbst die Entscheidung überlassen, wann, wie und zu welchem Preis er sich informiert, sich passiv unterhalten lässt oder sich lieber mitbeteiligt und selbst etwas gestaltet. Wurde das Fernsehen vor wenigen Jahren noch gerne von Kulturkritikern und Bildungsaposteln gegeißelt als mächtiges Medium der Volksverblödung und -ablenkung, so zeigt es sich heute viel anfälliger und vergänglicher als gedacht. Inzwischen sind Smartphone, Facebook und Co. in der Schusslinie der Kritik. 

Das angeblich so mächtige und aufdring¬liche Medium entpuppte sich auf lange Sicht als technische Modeerscheinung. Vielleicht hilft diese Beobachtung, etwas Gelassenheit zu entwickeln, wenn wir die schwindende Gestaltungsmacht christlich gepräg¬ter Lebensrhythmen beklagen. Auf¬fälligstes Indiz für dieses Verschwinden ist der Versuch, die Vorweihnachtszeit unter das Joch der Geschäftemacherei zu zwingen. Was hat das Geld mit dem Heiligen zu tun? Jesus hat die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben. Was wird aus Weihnachten, wenn sich die Adventszeit immer weiter in den Herbst ausbreitet? Vielleicht sollte man Weihnachten zum beweglichen Feiertag erklären, und der Advent wandert dann wie der Ramadan durch das Jahr. Irgendwann kommen wir wieder im Dezember an. 

Bei allem Sarkasmus: Wir sollten gelassen bleiben. Christen dürfen einen langen Atem haben. Advent wird noch gefeiert, wenn die Geschäftsmodelle der Gegenwart schon lange dem Wandel der Technik und der Mode zum Opfer gefallen sein werden. Die Rhythmen der Christenheit sind Resultat von fast zweitausend Jahren und weder an Fernsehen noch Internet gebunden. Und außerdem: Advent im christlichen Verständnis heißt, sich Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken, dass Gott sich in einem Kind in einem ärmlichen Stall zu erkennen gibt. Gott ist zur Welt gekommen. Das ist nicht auf den Dezember beschränkt, sondern das ganze Jahr einen Gedanken wert. Es liegt an uns, ob wir uns im aufdringlichen Lärm der Tage auch an den Kern des Trubels erinnern lassen. 

Wenn ich im nächsten September den ersten Schokoladennikolaus im Regal entdecke, werde ich mich nicht ärgern, sondern mich an Weihnachten erinnern lassen und denken: Gut, dass Gott zu uns gekommen ist. Das gibt einen langen Atem und macht gelassen – egal ob im August oder im Dezember.

Einen gesegneten Advent wünscht 

Ihr Pfarrer
Thomas Struckmeier

Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!

Psalm 34, 15

Monatsspruch Dezember 2019

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse ich auf seinen Gott.

Jesaja 50,10

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Zum Nachhören

Gottesdienst vom 03.02.2019
(Konfirmationsjubiläum)

Wir laden Sie ein

Sonntag, 22.12.2019 11.00 Uhr
Singe-Gottesdienst gemeinsam mit der Kirchengemeinde in Löhne-Ort

Löhne: Christuskirche Obernbeck Pfarrer Rolf Bürgers

Dienstag, 24.12.2019 15.30 Uhr
Gottesdienst - Christvesper I mit Krippenspiel

Löhne: Christuskirche Obernbeck Pfarrer Thomas Struckmeier

Dienstag, 24.12.2019 17.30 Uhr
Gottesdienst - Christvesper II mit Krippenspiel

Löhne: Christuskirche Obernbeck Pfarrer Thomas Struckmeier